Kienjoch (1.953 m) Überschreitung

Naturbelassene und einsame Kammwanderung im Herzen der Ammergauer

Wie überall in den bayrischen Bergen herrscht auch in den Ammergauer Alpen inzwischen Hochbetrieb. Das Kienjoch (1.953 m) scheint hier noch eine der Ausnahmen zu sein und wird zumindest nicht überrannt. Nicht nur ist die Tour weniger bekannt und auch eher zurückhaltend markiert, die Rundtour von Graswang aus ist auch ziemlich lang.

Hier kann das eBike Abhilfe schaffen und vor allem den normalerweise sehr langen Abstieg verkürzen. Zwischen Kienjoch und Notkarspitze zieht eine schön zu fahrende und aussichtsreiche Forststraße zur Kuhalm hinauf (alternativer Tourentipp: Vorderer Felderkopf).

Von dort kann eine verschwiegene Rundtour über Mittageck (1.855 m), Kieneckspitz (1.943 m) und Kienjoch (1953 m) gestartet werden. Auf dieser bewegt man sich durchgehend auf schmalen und teils unbekannten Pfaden. An einigen Stellen ist Trittsicherheit gefordert, ansonsten sollte man aber vor allem Kondition und eine aufmerksame Wegfindung mitbringen!

Blick vom Mittageck zur Kieneckspitz

Touren-Steckbrief

  • Schwierigkeit Bike : Gut fahrbare Forststraße mit konstanten Steigungen (meiste Abschnitte ca. 10%) 
  • Schwierigkeit Hike : Unschwierige Bergwanderung (T2)
  • Höhenmeter (Aufstieg): Ca. 1.300 hm (davon 450 Bike / 850 Hike)
  • Strecke (insgesamt): Ca. 20 km (davon 11 km Bike / 9 km Hike)

Routenverlauf

Graswang (866 m) – Bike-Depot kurz vor der Kuhalm (1.321 m) – Mittageck (1.855 m) – Kieneckspitz (1.943 m) – Kienjoch (1.953 m) – Geißsprungkopf (1.934 m) – Kuhalm (1.331 m) – Bike-Depot – Retour auf der Auffahrtsroute

Anfahrt

Mit dem Auto: Von München über die A95 Oberau. Weiter Richtung Ettal und Graswang. Parken beim Wanderparkplatz am Ortsende (Schattenwaldweg).
Mit der Bahn: Schwierig. Zwischen Plansee und Oberau verkehrt ab 2023 der neue „Plansee-Bus“, allerdings ist eine Mitnahme von Fahhrädern im Bus nicht möglich. Sofern man es mit dem Bike öffentlich nach Ettal schafft, könnte von dort die Tour auch gestartet werden.

Einkehr

Auf der Tour keine Einkehrmöglichkeiten.

Auffahrt zum Bike-Depot vor der Kuhalm

Vom Parkplatz geht es zunächst einige Meter durch den Wald ans Ufer der Linder, die ein Stück weiter rechts auf gut sichtbarer Spur durch das Flussbett überquert wird. Direkt dahinter fädelt man nach links in die Forststraße ein, die zunächst durch den Schattenwald und dann in einer Rechtskurve oberhalb des Alplegrabens in einer fast geraden Linie nach Süden verläuft. Weit oberhalb verläuft der später begangene Kamm der Kieneckspitz und des Kienjochs. 

Der schon von weitem sichtbare Kamm vom Felderkopf rückt näher. Es heißt nun aufpassen. Noch bevor der Alplegraben in einer letzten großen Linksschleife zur Kuhalm überquert wird, befindet sich in einer Rechtskurve der quasi nicht erkennbare Einstieg (Karte+GPS obligatorisch), hier Bike-Depot.

Aufstieg zum Mittageck

Am Einstieg bekommt man erst einmal Zweifel, ob hier wirklich gemäß Karte ein Weg verlaufen soll, doch es gibt ihn. Über eine grasige Rampe geht es ein paar Meter bergauf. Schon bald zeigt sich der ausgetretene Pfad und er bleibt auch deutlich, allerdings ohne jede Markierung. Zunächst gewinnt man ein paar Höhenmeter, bis der Steig irgendwann nach rechts abdreht.

Sehr schön und ohne größeren Höhengewinn quert der Steig unterhalb des später begangenen Kamms vorbei und bewegt sich quasi zurück Richtung Graswang. Nur einmal knickt eine weitere Spur nach links ab, die aber ignoriert werden kann. Nach ca. 2 Km schließlich fädelt der Weg auf den Normalweg ein, der von Graswang hinaufzieht.

Diesem folgt man nun bergauf durch den Wald. Das Mittageck (1.855 m) kommt als erster Gipfel in Sicht und wird bröselig und steil erklommen. Der weitere Wegverlauf zur Kieneckspitz wird nun deutlich.

Über die Kieneckspitz zum Kienjoch

Ab dem Mittageck hat man nun eine wirklich schöne Kammwanderung vor sich. Nach rechts steigt man zunächst um die 50 Hm durch die Latschen in eine Senke ab und arbeitet sich auf den Kamm vor der Kieneckspitz hinauf. 

Über ein paar kleinere Höcker nähert man sich dem von Latschen überzogenen Gipfel. Ab hier sollte man bereits aufmerksam auf den Weg achten, denn teils wird links oder rechts in die Flanke ausgewichen und Markierungen gibt es auf dieser Tour überhaupt keine. Durch eine sehr enge Latschengasse ist schließlich die Kieneckspitz (1.943 m) erreicht, die nur durch einen Steinhaufen markiert ist. 

Im Auf und Ab geht es weiter auf das schon sichtbare Kienjoch zu. Eine kleine Felsstufe muss konzentriert abgestiegen werden, ansonsten bleibt die Aufmerksamkeit vor allem auf den Weg gerichtet. In einem letzten kleineren Aufstieg schließlich gelangt man zum Gipfel am Kienjoch (1.953 m) und dem höchsten Punkt der Tour. Ein super Blick über die Ammergauer bis zum Wetterstein eröffnet sich!

Abstieg zur Kuhalm und Abfahrt

Man folgt dem Kamm weiter nach Süden. Mit dem Geißsprungkopf (1.934 m) wird sogar ein vierter Gipfel überschritten, der sich aber eher wie eine kleine Erhebung anfühlt. Es geht nun in bröseligen Kehren hinunter. Ein möglicher Abstieg nach rechts in Richtung Elmaubach wird ignoriert.

An einer Beschilderung teilt sich nun der Weg. Geradeaus könnte man zum Windstierlkopf und zum Kamm Richtung Felderkopf aufsteigen. Der Abstiegsweg jedoch knickt nach links ab. In weiteren Kehren geht es den Hang bergab, bis man eine Zeit lang über freie Wiesen spaziert. Es geht nochmal schön durch den Wald, bis schließlich die Forststraße oberhalb der Kuhalm erreicht ist.

An der Kuhalm vorbei, folgt man einen knappen Kilometer auf der Forststraße zurück, bis das Bike-Depot wieder erreicht ist. In zügiger Abfahrt bei inzwischen heißen Mittagstemperaturen geht es nach Graswang zurück!

Fazit

Die Ammergauer Alpen gehören an vielen Stellen zu den ursprünglichsten Flecken der bayrischen Alpen. Diese Tour ist der Beweis und bietet eine einsame Kammwanderung vom feinsten. Auf dieser müssen allerdings Kondition, aufmerksame Wegfindung sowie die nötige Trittsicherheit mitgebracht werden. Im Sommer ist außerdem ein sehr früher Aufbruch ratsam, denn Schatten gibt es auf der Tour nicht allzu viel.

Karte

GPX-File zum Download

Hinweis: Die Nutzung der Datei unter folgendem Link für die eigene Tourenplanung erfolgt auf eigenes Risiko. Für Fehler oder Ungenauigkeiten kann keine Haftung übernommen werden.

Kienjoch.gpx

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