Östliche Karwendelspitze (2.536 m)

Überschreitung des höchsten deutschen Karwendelgipfels aus dem Johannistal

Wenn es ein Gebirge gibt, das für eBike & Hike Touren prädestiniert ist, dann das Karwendel. Lange Täler und steile Auffahrten zu den Hütten-Stützpunkten schreien förmlich nach dem Einsatz eines eBikes. Ausgangspunkt für die Tour auf die Östliche Karwendelspitze ist das Karwendelhaus bzw. der Hochalmsattel. Diesen erreicht man entweder aus dem Johannistal über den kleinen Ahornboden (wie hier beschrieben) oder aus dem Karwendeltal (fahrtechnisch leichter, aber nicht ganz so schön). Egal, welchen Weg man wählt, es wartet eine großartige Tour auf den höchsten deutschen Karwendelgipfel!

Blick vom Vorgipfel ins Karwendeltal

Touren-Steckbrief

  • Schwierigkeit Bike : Leicht bis zum Kleinen Ahornboden, steil und ruppig bis zum Hochalmsattel
  • Schwierigkeit Hike : Leichte Bergtour (T4-)
  • Höhenmeter (Aufstieg) : Ca. 1.700 hm (davon 850 Bike / 850 Hike)
  • Strecke (insgesamt): Ca. 37 km (davon 30 km Bike / 7 km Hike)

Routenverlauf

Rißtal Parkplatz Johannistal (958 m) – Kleiner Ahornboden (1.403 m) – Hochalmsattel (1.803 m) – Aufstieg Normalweg – Östliche Karwendelspitze (2.536 m) – Abstieg Grabenkar – Hochalmsattel -Retour auf der identischen Route

Anfahrt

Mit dem Auto: Von München über die A95 bis Ausfahrt Wolfratshausen. Von dort weiter über Bad Tölz, und Lenggries über den Sylvensteinspeicher nach Hinterriß. Parken beim Parkplatz P4, ca. 3 km nach Hinterriß (Achtung: Parkplatz liegt hinter der Mautstation). Alternative über Karwendeltal: Hier wäre Scharnitz der Ausgangspunkt.
Mit der Bahn: Das Johannistal ist zwar mit dem „Bergbus Eng“ von Lenggries aus erreichbar. Eine Mitnahme von eBikes im Bus ist allerdings nicht möglich (siehe auch https://www.dbregiobus-bayern.de/angebot/freizeitbusse/rvo-rva/bergsteigerbus)

Einkehr

Karwendelhaus: Einkehr und Übernachtung, geöffnet ca. von Anfang Juni bis Anfang Oktober
https://karwendelhaus.com/

Auffahrt zum Hochalmsattel

Vom Parkplatz hinter der Mautstelle (wer Geld sparen möchte, wählt einen Parkplatz vorher) geht es gleich über eine Holzbrücke. Die Bike-Strecke zweigt dahinter nach links ab und zieht in einer langen Kehre zurück Richtung Johannistal. Ich wähle jedoch rechts die Abkürzung und nehme den direkten Schotterweg mit ordentlicher Steigung. Oben kommen vor einer weiteren kleinen Brücke beide Wege wieder zusammen. 

Ab da führt die Straße in einer Linie über mehrere Kilometer durch das Johannistal. Bereits hier genieße ich einen fantastischen Blick auf den Karwendelhauptkamm mit dem türkisen Johannisbach im Vordergrund. Ohne nennenswerte Steigung geht es lange Zeit genussvoll dahin, bis ich mich dem kleinen Ahornboden, also dem Talschluss, nähere. In einigen steilen Kehren zieht die Straße nun bergauf, bis ich zu einer Verzweigung komme. Nach links würde es zur Falkenhütte gehen, ich fahre rechts Richtung Karwendelhaus. 

Kurze Zeit später ist der kleine Ahornboden erreicht. Was für ein schönes Fleckerl Natur! Man möchte sich eigentlich sofort unter einen der Ahornbäume ins Gras legen und die Aussicht auf die sich vor einem aufbauenden Felswände genießen. Doch dafür ist ja später noch Zeit. 

Erst einmal kommt mit der Auffahrt zum Hochalmsattel nun der schwierigste Teil der Tour. Hier sprechen wir nicht mehr von einer gut fahrbaren Forststraße, sondern einem sehr grobschottrigen Gelände, das obendrein noch ziemlich steil anzieht. Hier ist schon ein bisschen Gespür fürs biken gefragt. Nochmal um die 400 hm sind es in diesem Gelände bis zum Hochalmsattel, einem weiten grasigen Plateau mit Aussicht in zwei Richtungen. Oben angekommen, habe ich mir erst einmal eine kleine Pause verdient, bevor die Bergtour losgeht.

Auf die Östliche Karwendelspitze über den "Normalweg"

Mit Normalweg ist in diesem Fall der häufiger (meist vom Karwendelhaus aus) begangene der beiden Wege gemeint, wenngleich man auch hier vergeblich nach offiziellen Markierungen suchen wird.  Der Weg führt vom Hochalmsattel aus gesehen links herum auf den Gipfel und hält abgesehen von der Orientierung keine größeren Schwierigkeiten bereit.

Vom Marterl am Hochalmsattel gilt es zunächst den Einstieg in den Pfad (auf manchen Karten als „Maximiliansweg“ bezeichnet) zu finden. Dies fällt zum Glück nicht allzu schwer, der Pfad ist zwischen den Latschenfeldern bereits erkennbar. Ich parke mein Bike in der Nähe des Steiges und folge diesem erst einmal ohne größeren Höhengewinn. Schon bald allerdings heißt es aufpassen. Da wo von rechts sichtbar das Grabenkar herunterkommt (der spätere Abstiegsweg) darf man NICHT dem Steig weiter folgen, denn dieser führt ins Vogelkar zum Nachbarn unseres heutigen Gipfels (ebenfalls ein lohendes Ziel). 

Stattdessen geht es in steilen Serpentinen direkt nach oben durch das markante Geröllfeld zwischen den Latschen. Eine schwache Spur im Geröll ist erkennbar, aber eine Karte mit GPS ist hier als zusätzliche Hilfe sinnvoll. Hat man dieses anstrengende Stück hinter sich gebracht, zieht die Spur nach links und quert unterhalb des Gipfelaufbaus, um sich danach wieder nach rechts zu wenden. Ab hier sind immer wieder Steinmandl zu sehen. Diesen folgend, gewinne ich schnell an Höhe und sehe bald auch schon den steilen Gipfelaufbau. Auch die benachbarte Vogelkarspitze rückt nun ganz in die Nähe und macht eine beeindruckende Figur. 

Über erdige Tritte und zuletzt Geröll erreiche ich schließlich den Vorgipfel mit Kreuz. Bei diesem belässt es auch so mancher, der vom Karwendelhaus aufsteigt. Doch ich möchte noch weiter auf den 15 Meter höheren Hauptgipfel. Um diesen zu erreichen, muss man kurz steil in eine Scharte abklettern und auf der anderen Seite wieder rauf. Jedoch kaum mehr als ein Ier. Den Hauptgipfel der Östlichen Karwendelspitze schmückt schließlich nur noch ein Ast und die zwischen Steinen versteckte Kassette mit dem Gipfelbuch. Aber es hat sich gelohnt, die Aussicht ist hier noch umfassender. Gegenüber der Karwendelhauptkamm, links die Laliderer Wände und rechts der Blick ins Karwendeltal. Hier könnte ich es lange aushalten, allerdings pfeift ein kalter Wind am Gipfel und ich sitze trotz sommerlicher Temperaturen im Tal in meiner Hardshelljacke mit Kapuze am Gipfel und mache nur eine relativ kurze Brotzeit.

Abstieg übers Grabenkar

Während meiner kurzen und eisigen Brotzeit werfe ich einen Blick auf den geplanten Abstiegsweg. Der obere Teil bis zum Einstieg in das Kar schaut vom Gipfel aus auf den ersten Blick bröselig, unübersichtlich und heikel aus. Wenn man jedoch genauer hinsieht, sind rote Markierungen sichtbar, die durch das Gelände leiten. Das räumt meine Zweifel natürlich sofort aus.

Ich kehre zunächst zurück durch die Scharte zum Vorgipfel. Von diesem wende ich mich nun nach links und sehe auch schon die Spuren und Markierungen im schottrigen Gelände, das mich bis zum oberen Einstieg ins Kar bringt. Schwierig ist der Weg nicht, aber man sollte in diesem steilen Gelände trotzdem konzentriert zu Werke gehen.

Im Grabenkar angelangt, sind die Schwierigkeiten vorbei. Heiß ist es hier inzwischen wieder ohne den Wind. Es ist nun sehr gut die Spur zu sehen, die sich durch das Kar Richtung Hochalmsattel zieht. Abstiege durch ein Kar können zum schönsten oder schlimmsten beim Bergsteigen gehören. Ein tiefer, feiner Schotter kann eine knieschonende und spaßige „Geröllabfahrt“ ermöglichen, während eine harte und grobe Gesteinsauflage einen mühsamen und unkomfortablen Abstieg bedeuten kann. Zu meiner Freude ist zum größten Teil ersteres der Fall. Mal auf mal neben der Spur gleite ich in kaum 15 Minuten entspannt das Grabenkar hinab. Unten wird es dann wieder grüner. Kurz vor Erreichen des Steiges zurück zum Hochalmsattel muss noch ein Graben etwas unbequem gequert werden, dann ist es geschafft.

Gerade einmal eine Stunde hat der Abstieg zurück zum Bike gedauert. Leider ist aber noch keine Entspannung angesagt. Es liegt noch die ruppige Abfahrt zum kleinen Ahornboden vor mir. Diese fordert nochmal einige Konzentration (hier gilt es v.a. das Bike im groben Schotter stabil zu halten). Glücklich komme ich beim kleinen Ahornboden an und gönne mir nochmal eine lange Pause in der Nachmittagssonne. Die anschließende Abfahrt durch das Johannistal ist dann einfach nur der pure Genuss.

Fazit

Eine 5-Sterne-Tour im Karwendel. Traumhafte Landschaft, eine alpine, aber nicht allzu schwere Bergtour, die im Gegensatz zur gegenüberliegenden Birkkarspitze alles andere als überlaufen ist. Was will man mehr. Und dank eBike ist die Tour trotz Länge und Höhenmetern auch mit langen Pausen gut als Tagestour zu schaffen.   

Karte

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