Krottenkopf (2.086 m) über Krüner Alm

Selten genutzte Bike & Hike Variante auf den höchsten Punkt des Estergebirges

Obwohl man auf dem Weg nach Garmisch zwangsläufig am Estergebirge vorbeifährt, war es in diesem Teil der bayrischen Voralpen lange Zeit still und einsam. Vielleicht war der Grund, dass keiner der Gipfel im Schnellgang erreichbar ist und i.d.R. einige Höhenmeter von den niedrig gelegenen Talorten wie Eschenlohe oder Farchant zu absolvieren sind. 

Das gilt besonders für den Krottenkopf. Aus allen Richtungen kann man ihn besteigen, doch jede Variante ist lang, und das sogar mit Bike-Unterstützung. Kein Wunder also, dass sich viele sogar zwei Tage für die Besteigung gönnen und auf der direkt unter dem Gipfel gelegenen Weilheimer Hütte übernachten.

Die hier beschriebene Route über die Krüner Alm und das Obere Michelfeld dürfte zu den längsten gehören und wird vermutlich nur selten genutzt. Landschaftlich stellt sie für mich die schönste Variante dar!

Anstieg vom Oberen Michelfeld zum Krottenkopf

Touren-Steckbrief

  • Schwierigkeit Bike : Gut zu fahrende Forststraße 
  • Schwierigkeit Hike : Moderate Bergwanderung (T2) -> Gilt für Sommerverhältnisse
  • Höhenmeter (Aufstieg) : Ca. 1.300 hm (davon 630 Bike / 670 Hike)
  • Strecke (insgesamt) : Ca. 28 km (davon 17 km Bike / 11 km Hike)

Routenverlauf

Wallgau (866 m) – Krüner Alm (1.621 m) – Weilheimer Hütte (1.946 m) – Krottenkopf (2.086 m) – Retour auf der identischen Route

Anfahrt

Mit dem Auto: Von München über die A95 nach Garmisch. Weiter über die B2 Richtung Mittenwald  und dann abbiegen auf die B11 nach Wallgau. Parken direkt beim Haus des Gastes (Adresse: Zugspitzstraße 11, 82499 Wallgau).
Mit der Bahn: Von München HBF bis Garmisch. Dort umsteigen in die Regionalbahn (9608 Richtung Mittenwald) und am Bahnhof Klais aussteigen. Von dort in ca. 6 km mit dem eBike nach Wallgau.

Einkehr

Weilheimer Hütte: Übernachtungsmöglichkeit, geöffnet Mitte Mai bis Mitte Oktober
https://dav-weilheim.de/huetten/weilheimer-huette/

Krüner Alm: Einkehr, geöffnet Mitte Juli bis Ende August
https://www.alpenwelt-karwendel.de/a-kruener-alm

Auffahrt zur Krüner Alm

Es ist Mitte April und in der Früh noch ordentlich „zapfig“. In der Ferne sieht man die noch tief verschneiten Karwendelgipfel. Ich weiß, dass mich auch auf dieser Voralpentour Schnee erwarten wird. Allerdings ist mir noch nicht klar, wie viel es dann doch sein wird.

Ich radle am Parkplatz beim Haus des Gastes los. Zunächst geht es flach über offenes Wiesengelände bis zum Waldrand. Die Forststraße knickt dann nach rechts ab und verläuft nun erst einmal ein ganzes Stück parallel zur Finzbachklamm bei moderater Steigung durch den Wald.

Irgendwann gelange ich schließlich zu einer markanten Weggabelung mit Beschilderung. Geradeaus könnte man nun der Straße weiter folgen und würde mit wenig Höhengewinn bis zur Farchanter Alm/Esterbergalm gelangen. Von dort wäre der Aufstieg definitiv ohne größeren Schneekontakt möglich, was mir die Webcam vom Wank im Vorfeld gezeigt hatte. Doch mich reizt die Variante über das Obere Michelfeld zu sehr. Daher biege ich nach rechts ab und folge der nun deutlich aufsteilenden Straße.

Über diese komme ich, vorbei an der Wildbädermoos-Diensthütte, zum Schluss über eine Senke bis unterhalb der Krüner Alm, die man von unten schon gut sehen kann. Bei der Beschilderung nun Bike-Depot. Zu Fuß geht es in ein paar steilen verschneiten Serpentinen die restlichen Höhenmeter bis zur herrlich gelegenen Alm. Diese ist freilich noch nicht in Betrieb, wobei es hier schon richtig frühlingshaft ist.

Über das Obere Michelfeld auf den Krottenkopf

Nach kurzer Rast in der Sonne geht es nun weiter Richtung Krottenkopf. Der Steig bewegt sich in leichtem Auf und Ab oberhalb des Lochentalgrabens auf das Massiv des Krottenkopfes zu. Dessen Ostgipfel hat man dabei die ganze Zeit gut im Blick. Ein paar kleine Felsstufen gilt es zu überwinden, die im Sommer sicher kein Problem darstellen, aufgrund des Restschnees aber ein bisschen Vorsicht erfordern.

Ich gelange schließlich an den Eingang des Oberen Michelfeldes, auch Angerlboden genannt. Es handelt sich hier um eine wirklich schöne Karsthochfläche, die vom Krottenkopfmassiv auf der Westseite und der Hohen Kisten auf der Ostseite eingerahmt wird. Hier stoße ich auch auf die nächste Beschilderung, die den Weg zur Weilheimer Hütte vorgibt. Allerdings wird mir an diesem Punkt auch klar, dass ich ab jetzt nicht mehr auf Markierungen achten muss. Denn diese sind unter der doch überraschend hohen Schneedecke versteckt. Es geht also mit GPS weiter, wobei die Richtung zum Grat vor der Weilheimer Hütte eh ungefähr klar ist.

Anstrengend zieht sich der Weg nun durch den weichen Schnee. Spuren sind keine zu sehen, ich scheine hier also der erste Begeher dieses Frühlings zu sein. Nach Durchquerung des Angerlbodens kommt nun die größte Herausforderung. Ungespurt muss ich die steile Flanke bis zum markierten Grat überwinden. Das kostet einige Kraft und ist nicht ganz einfach. Schließlich komme ich aber am Grat an und erspähe drüben an der Hohen Kisten einen Trailrunner, der sehr schnell unterwegs zu sein scheint.

Am Grat geht es nun zunächst angenehmer weiter, da ich hier weniger einsinke. Aber das ändert sich kurz vor der Weilheimer Hütte. Der Trailrunner, der mich inzwischen überholt hat, hat netterweise gespurt und so folge ich diesen Spuren und komme schließlich bei der geschlossenen Weilheimer Hütte an. Von dieser ist es nur noch ein Katzensprung auf den Gipfel. Dieses letzte Stück ist sogar komplett schneefrei und kurze Zeit später sitze ich glücklich – und auch ein bisschen fertig – auf dem Krottenkopf, dem höchsten Punkt der bayrischen Voralpen.

Nach einer längeren wohlverdienten Pause mache ich mich an den Abstieg auf derselben Route. Bis zum Ende des oberen Michelfeldes ist dieser im tiefen Schnee kaum weniger anstrengend als der Aufstieg und so bin ich dann doch froh, wieder bei der Krüner Alm und kurz darauf bei meinem Radl anzukommen.

Fazit

Meine Tour auf den Krottenkopf war landschaftlich eindrucksvoll und ziemlich anstrengend, was vor allem an der Jahreszeit gelegen hat. Wer hier also so früh im Jahr wie ich unterwegs ist, sollte evtl. über die leichtere und kürzere Variante über die Esterbergalm nachdenken. Trotzdem war es für mich eine lohnende Entscheidung und so habe ich wieder ein neues Eck im schönen Estergebirge kennenlernen dürfen. 

Karte

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