Kleiner Watzmann (2.307 m), Mooslahnerkopf (1.815 m)

Großartige Überschreitung im Schatten von König Watzmann

Die Watzmann-Überschreitung ist neben der Zugspitze wahrscheinlich die begehrteste Bergtour unserer nördlichen Kalkalpen. Kaum ein Hobby-Bergsteiger möchte sie nicht im Tourenbuch stehen haben. Dementsprechend geht es auf dem Watzmann auch zu. Für die restlichen Mitglieder der „Familie Watzmann“ interessieren sich die meisten jedoch weniger. Doch gerade die Watzfrau bzw. Kleiner Watzmann bieten eine grandiose und meist einsame Überschreitung, die jedoch eine solide Technik und gutes Orientierungsvermögen erfordert.

Gipfelblick vom Mooslahnerkopf

Touren-Steckbrief

  • Schwierigkeit Bike : Gut fahrbare Forststraße mit konstanter Steigung
  • Schwierigkeit Hike : Sehr anspruchsvolle Bergtour (T5/II)
  • Höhenmeter : Ca. 1.650 hm (davon 650 Bike / 1.000 Hike)
  • Strecke: Ca. 23 km (davon 14 km Bike / 9 km Hike)

Routenverlauf

Parkplatz Hammerstiel (770 m) – Kühroint (1.420 m) – Kleiner Watzmann (2.307 m) – Mooslahnerkopf (1.815 m) – Kühroint – Retour auf der identischen Route

Anfahrt

Mit dem Auto: Von München über die A8 nach Berchtesgaden. Dort weiter nach Hinterschönau bis zum Parkplatz Hammerstiel (Hammerstielstraße 50).
Mit der Bahn: Von München mit dem BRB Richtung Salzburg. Umstieg in Freilassing und mit dem BRB S4 nach Berchtesgaden. Mit dem eBike ca. 5,5 Km zum Startpunkt am Parkplatz Hammerstiel.

Einkehr

Kührointalm: Übernachtungsmöglichkeit in kleinen privaten Zimmern, geöffnet ca. Mai bis Oktober
https://www.kuehroint.com/

Auffahrt zur Kührointalm

Vom Parkplatz Hammerstiel schlängelt sich der Forstweg die ersten Kilometer durch den Wald. Dabei gewinnen wir schon ordentlich Höhenmeter. Der Weg macht schließlich eine Linkskurve Richtung Süden. Wir kommen aus dem Wald in das freiere Gelände der Schappbachalm und folgen der Straße erst einmal für einige Zeit gerade aus. Dabei bekommen wir bereits den ersten Blick auf den Kleinen Watzmann.

Der Weg steilt schließlich wieder auf und vollzieht eine große Schleife durch den Wald, die uns schließlich zu unserem Abendziel, der Kührointalm, bringt. Es handelt sich hier weniger um eine Schutzhütte, als fast eine komfortable Pension mit Zweierzimmern, die aber auch dementsprechend mehr kosten. Wir kommen gerade noch rechtzeitig, bevor die Küche schließt und genießen den Abend bei einem Spinatknödel und der einen oder anderen Halben auf der Hüttenterasse mit super Blick auf unser Gipfelziel des nächsten Tages.

Über den Normalweg auf den Kleinen Watzmann

Nach einer sehr komfortablen Nacht stehen wir am nächsten Morgen früh auf und starten nach spartanischem Selbstversorger-Frühstück unsere Tour. Einen offiziellen Steig auf den Kleinen Watzmann gibt es nicht, allerdings gilt der Nordostgrat über den Gendarm als leichteste Route (während das „Kriechband“ eine deutlich schwierigere Route darstellt). Trotzdem ist auch auf dem Normalweg sicheres Klettern im II. Grad, alpine Erfahrung und gutes Routengespür gefragt, wobei man immer wieder auf Farbmarkierungen trifft.

Zunächst gilt es, den Einstieg zu finden, was allerdings kein Problem ist. Von der Kühroint startet man ganz kurz auf dem markierten Falzsteig, verlässt diesen aber schon nach wenigen Metern nach links. Hinter den letzten Häusern ist bereits eine markante grasige Rampe zu erkennen, die gerade in den Wald zieht. Dieser folgen wir und treffen oben nach Durchquerung eines Weidezauns sofort auf einen deutlich sichtbaren Steig. Diesem folgen wir nun ganz einfach durch den lichten Wald und gelangen durch ein paar Latschengassen schließlich an die Kante oberhalb des beginnenden Watzmannkars. Hier bereits ein herrlicher Blick Richtung Watzmann.

Wir wenden uns nun nach links und folgen der Kante am Rand des Kars nach oben. Schon nach kurzer Zeit bekommen wir es mit der angeblichen Schlüsselstelle der Tour, dem Gendarm, zu tun (für uns nicht die Schlüsselstelle, dazu unten mehr). Hierbei handelt es sich um einen kleinen Felsaufschwung, der entweder direkt erklettert wird (schwieriger, aber weniger ausgesetzt). Oder aber man umgeht die ersten Felsen auf der rechten Seite ganz nah an der Kante, so wie wir, und klettert in einem ganz kurzen Zug (II) nach oben. Diese Variante ist technisch einfacher, dafür wird es kurzzeitig sehr luftig, ein Fehltritt wäre mit Sicherheit der letzte. 

Nach dem Gendarm längere Zeit Gehgelände, das immer wieder durch kleinere Felsstufen mit Kletterstellen im II. Grad unterbrochen wird. Wir gelangen zum Schluss in die Plattenzone unterhalb des Gipfels. Ohne größere Schwierigkeiten nutzt man die Risse in den Platten oder man überklettert sie auf Reibung. Knapp 2:20 Std nach Aufbruch an der Kührointalm stehen wir auf dem fantastischen Gipfel des Kleinen Watzmanns, der sogar zwei Gipfelkreuze hat. Die Wolken verhüllen ein bisschen die Sicht Richtung Königssee, aber den Watzmanngrat können wir bei unserer Brotzeit bestens studieren.

Übers Fensterl zum Mooslahnerkopf und Abstieg

Es folgt nun der vermeintlich orientierungsmäßig schwierigste Teil der Tour. Gerade auf den ersten Teil des Abstiegs vom Kleinen Watzmann war ich nach diversen Tourenberichten gespannt. Zu unserer Überraschung finden wir allerdings gleich zu Beginn des Abstiegs erste deutliche Farbmarkierungen vor, die anscheinend noch nicht alt sind. Und diese leiten nicht – wie in den Karten verzeichnet – direkt auf den Ostgrat. Stattdessen steigen wir in die Flanke unterhalb des Ostgrats ab. Die rosa Markierungen leiten uns sicher durch das Geröll.

Erst im Bereich vor dem Fensterl kehren wir zurück auf den Ostgrat. Man bewegt sich hier nicht schwierig, aber ein wenig luftig an der Kante und hat einen sensationellen Blick aufs Fensterl und hinunter zum Königssee. Vorsichtig steigen wir über erdige Tritte in die Scharte vor dem Fensterl ab, an dessen linkem Rand ein Pfeil die Richtung vorgibt. Wie so oft ist es aus der Nähe nicht so wild. Auf halber Höhe der steilen Grasflanke kann man ganz gut die Spur erahnen. Natürlich sollte es trockene Verhältnisse haben, doch in wenigen Minuten haben wir schließlich auch diese zweite vermeintliche Schlüsselstelle gemeistert, die wir uns deutlich schwieriger vorgestellt hatten.

Das Gröbste sei nun geschafft, ist in vielen Berichten zu lesen. Doch weit gefehlt! Die Hauptschwierigkeiten fangen nach dem Fensterl erst an. Wir bewegen uns meist auf der schattigen Nordseite des Grats und müssen wiederholt über große Felsblöcke absteigen, um anschließend wieder einen Durchschlupf Richtung Grat zu finden. Auf keiner meiner Touren habe ich dermaßen schmierige Felsen vorgefunden wie auf der Nordseite des Mooslahnerkopfes. Ein Sturz ist hier nicht unbedingt tödlich, führt aber garantiert zu unerfreulichen Verletzungen. Die Bedingungen mögen zwar jahreszeit- und wetterbedingt schwanken, aber es ist ebenfalls oft zu lesen, dass hier fast durchgängig feuchte Bedingungen herrschen. Wie auf Eierschalen klettern wir die Blöcke ab. Hinzu kommen die ersten ernsthaften Orientierungsschwierigkeiten. Gerade zum Schluss finden wir längere Zeit trotz GPS nicht die richtige Gasse auf den Grat, um zum Mooslahnerkopf zu gelangen. Mit ein bisschen Latschenkampf gelingt es schließlich doch und wir folgen den letzten Metern zum Gipfel am Mooslahnerkopf. Nun ist es tatsächlich geschafft. Trotz leichter Erreichbarkeit von der Kühroint ist am Gipfel wenig los und wir genießen den Blick auf den Königssee von einer der besten Aussichtskanzeln.

Nach ausgiebiger zweiter Brotzeit schließlich folgt der Abstieg über den Normalweg. Die Orientierung ist nun kein Problem mehr, aber es bleibt ähnlich schmierig wie zuvor. Ein wenig spaßiger Steig durch den Wald also, der sich allerdings nicht zu lange hinzieht. Wir kommen unten aus dem Wald und queren auf einem letzten schönen Steig zurück zur Kühroint. Mit der morgendlichen Stille ist es nun vorbei. Wanderer und Bergsteiger aus allen Richtungen haben sich hier versammelt. Wir genehmigen uns noch ein Weißbier und radln schließlich glücklich und entspannt zurück ins Tal!

Fazit

Die Überschreitung der Watzfrau zählt zweifelsohne zu den lohnendsten Touren, die ich gegangen bin. Hier wird der „komplette Berggeher“ gefordert. Orientierungs- und Routengespür, elementares Klettern und sicheres Gehen sowie die abwechselnden Perspektiven zum Watzmann und Königssee, abgerundet von einer schönen Einkehr, machen dieses Unterfangen zu einer 5-Sterne-Tour!

Karte (ab Kührointalm)

Video zur Tour

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