Hoher Gleirsch (2.492 m) Westgrat

Aussichtsreiche und anstrengende Überschreitung mit Pfadfindercharakter

Der Hohe Gleirsch stand schon lange auf meiner Wunschliste. Das lag weniger am markierten Normalweg, über den er, verglichen mit seinen östlich gelegenen Nachbarn, durchaus regelmäßig Besuch erhält. Wirklich interessant ist dieser Gipfel geworden, als ich das erste Mal vom aussichtsreichen Westgrat gelesen hatte.

Lange Zeit jedoch konnte ich mich nicht durchringen, denn die Begehung des Westgrates ist mit einem unlösbaren Problem verbunden. Wie man die Tour auch plant – hin und retour oder als Überschreitung mit Abstieg über den Normalweg – es sind nicht ein, sondern sogar zwei Forstweghatscher zu absolvieren, und das trotz Benutzung des eBikes. 

Doch im goldenen Herbst sind bekanntlich alle Wege schön und so haben wir uns an einem traumhaften Oktobertag zum „Abenteuer Westgrat“ aufgemacht.

Karwendelblick deluxe vom Gipfel des Hohen Gleirsch

Touren-Steckbrief

  • Schwierigkeit Bike : Gut fahrbare Forststraße mit kurzen Steigungen
  • Schwierigkeit Hike : Technisch moderate, aber lange und weglose Bergtour (T4)
  • Höhenmeter (Aufstieg) : Ca. 1.650 hm (davon 250 Bike / 1.400 Hike)
  • Strecke (insgesamt) : Ca. 30 km (davon 13 km Bike / 17 km Hike)

Routenverlauf

Scharnitz Parkplatz Karwendeltäler (964 m) – Gleirschhöhe (1.069 m) – Einstieg Ochsenbodenweg – Schönfleck (2.200 m) – Hoher Gleirsch (2.492 m) – Amtssäge (1.223 m) – Einstieg Ochsenbodenweg – Retour auf der Aufstiegsroute

Anfahrt

Mit dem AutoVon München über die A95 bis Garmisch. Weiter über die B2 über Mittenwald nach Scharnitz. Im Ort nach links Richtung „Karwendeltäler“ abbiegen und bei einem der ausgeschilderten Parkplätze parken (Gebühren: 7 EUR pro Tag). Alternativ am kostenlosen Parkplatz an der B2 ca. 1 km vor der Landesgrenze parken.
Mit der BahnVon München nach Garmisch. Dort umsteigen nach Mittenwald/Scharnitz.

Einkehr

Auf der Tour direkt keine Einkehrmöglichkeit.
Mit einem Zusatzaufwand von 1,5 km (hin und zurück) könnte man nach Erreichen der Amtssäge noch einen Abstecher zur Möslalm machen (https://www.moeslalm.tirol/)

Auffahrt durchs Gleirschtal und Zustieg zum Westgrat

Wir starten vom Parkplatz zunächst in Richtung Hinterautal, bis wir bei der Gleirschhöhe zur Abzweigung nach rechts Richtung Gleirschtal/Samertal gelangen. Über ca. 50 Hm geht es nun bergab zur Isar, die wir in einer Rechtsschleife überqueren und auf der anderen Seite die verlorenen Höhenmeter wieder zurückholen. Ziemlich steil geht es über ca. 1 Km bergauf, bis die Straße einen Linksknick vollzieht und wieder abflacht. In einigen Kurven geht es nun nach Süden angenehm dahin.

Mit der ersten Möglichkeit, nach links abzuzweigen, treffen wir bei einer Schranke schließlich auf den Beginn des Ochsenbodenweges. Hier Bike-Depot (ca. 40 Minuten von Scharnitz). Theoretisch könnte man nun noch weitere 3 Km mit dem Bike auffahren, doch leider zeigt es das Schild an der Schranke bereits an: Ab hier ist das Radlfahren offiziell verboten. Eine Auffahrt würde außerdem bedeuten, den Westgrat auch wieder abzusteigen und eine Überschreitung unmöglich machen. Es hilft also nichts und wir treten den ersten unserer beiden Forstwegspaziergänge an.

Über drei sehr lange Kehren folgen wir nun bei schöner Herbststimmung zu Fuß dem Forstweg. Die Strecke zieht sich, bis wir schließlich in den Bereich des Bluetsgraben kommen, den wir bei einer markanten engen Rechtskurve überqueren. Hier heißt es nun aufpassen, um den Einstieg zum Westgrat zu finden. Eine Karte mit GPS – auf dieser Tour obligatorisch – kann hier helfen. Bereits direkt nach der genannten Kurve sind Steigspuren in den Wald erkennbar (möglicherweise der beste Einstieg). Wir laufen jedoch noch einige Minuten weiter bis zu einer deutlich sichtbaren Schneise im Wald, an der unsere Karte einen Steig verzeichnet und tauchen über diese in den Bergwald ein. 

Über den Westgrat auf den Hohen Gleirsch

Nach dem Einstieg in den Wald ist nun Pfadfindergespür gefragt. Der auf den Karten verzeichnete Steig ist teilweise scheinbar erkennbar, verliert sich aber immer wieder. Wir suchen uns also etwas unbequem einen eigenen Weg durch den steilen Bergwald. Die Richtung ist allerdings klar (einfach die bereits sichtbare Grathöhe anpeilen, der auf den Karten verzeichnete „Schönfleck“ kann als Orientierungspunkt am Grat verwendet werden).

Auf ca. 1.600 Metern schließlich treffen wir an einem Baum auf die erste neonfarbene Markierung. Die Orientierungsschwierigkeiten sind ab jetzt vorbei. Markierungen und später Steinmandl leiten uns nun aus dem Wald und auf freies Steilgrasgelände unterhalb des Grates. Diesem folgen wir nun anstrengend über die Grasstufen immer weiter nach oben, bis wir auf ca. 2.000 Metern die Grathöhe erreichen und dort von einem atemberaubenden Blick auf den Karwendelhauptkamm empfangen werden. Dieser Blick wird uns nun bis zum Gipfel begleiten. 

Immer an der Kante steigen wir nun auf dem Westgrat auf. Nach Erreichen des „Schönflecks“ mit Ast als Markierungspunkt geht es erst einmal in gemächlicher Steigung weiter. Das grasig-felsige Gelände ist meist angenehm zu gehen. In der Ferne ist ganz klein auch schon das mächtige Gipfelkreuz zu sehen und wir erahnen, dass es vor dem Gipfel nochmal steiler und anspruchsvoller wird.

Nach der Genusswanderung auf dem Westgrat nähern wir uns kurz vor dem Gipfel einigen steil aufragenden Felsriegeln. Diese können meist mit leichtem Höhenverlust rechts (südseitig) umgangen werden oder man packt sie direkt an. Nur ein Riegel muss zwingend überklettert werden, allerdings kaum mehr als ein Ier.

Schließlich haben wir es geschafft und kommen erschöpft und glücklich knapp 4 Stunden nach Aufbruch in Scharnitz am Gipfel des Hohen Gleirsch an. Ein wirklich fantastischer Aussichtspunkt!

Abstieg auf dem Normalweg

Nach dem anstrengendem Aufstieg sind wir nun doch froh, anstatt über den langen Westgrat nun auf dem deutlich direkteren Normalweg absteigen zu können. Dieser bewegt sich vom Gipfel nun erst einmal auf das Riegelkar zu und dreht dann nach rechts in gerader Linie Richtung Tal ab. Gerade dieser obere Abschnitt ist bröselig und unangenehm zu gehen (auch im Aufstieg vermutlich wenig spaßig), aber man kommt schnell voran.

Nachdem wir den Oberen Sagkopf passiert und nach links umrundet haben, wird das Gelände langsam waldiger und schöner. Der plötzliche Blick ins begrünte Riegelkar ist nochmal ein echtes Highlight. Durch den herbstlichen Wald kommen wir schließlich in vielen Serpentinen bei der Amtssäge im Tal heraus.

Wie schön wäre es doch, hier auf sein Radl zu treffen. Doch dieses steht leider mehr als 3 Km entfernt am Fuße des Ochsenbodenweges. Der zweite Forstweghatscher also, der sich am Ende einer langen Tour bekanntlich besonders lang anfühlt. Doch Gespräche mit einem guten Spezl können auch solche zähen Abschnitte überbrücken. Und so erreichen wir nach insgesamt knapp 7 Stunden endlich unsere Bikes und fahren entspannt nach Scharnitz zurück.

Fazit

Die Überschreitung des Hohen Gleirsch ist eine beeindruckende Bergtour, die mit fantastischer Aussicht und Einsamkeit in schöner Karwendellandschaft glänzt. Allerdings wird diese Tour auch nicht jedermanns Sache sein. Neben den hohen konditionellen Anforderungen ist vor allem sehr gutes Routengespür in weglosem Gelände gefragt, welches in weiten Teilen steil und unbequem zu gehen ist. Hinzu kommen insgesamt 7 Km Fußmarsch auf Forststraßen (für mich normalerweise ein KO-Kriterium einer Tour). Daher insgesamt ein Tourentipp für ausdauernde Karwendelfans, die es gerne ruppig und individuell mögen!

Karte

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