Krenspitz (1.972 m), Hinteres Sonnwendjoch (1.986 m) von Norden

Ungewöhnliche Route aufs Hintere Sonnwendjoch aus dem Ursprungstal

Das Hintere Sonnwendjoch kann trotz seiner Lage in Tirol gerade noch zu den „bayrischen Voralpen“ gezählt werden und ist ein Berg mit zwei Gesichtern.

Über den Normalweg von der Ackernalm (per Mautstraße mit dem Auto zu erreichen) im Süden erreicht man den Gipfel über eine gemütliche, aber wenig spannende Wanderung über Almstraßen und einen leichten Steig.

Für wen allerdings mehr der Weg das Ziel ist, der findet auf der hier beschriebenen Route sein Glück. Eine schöne Zufahrt mit dem Bike durch das wenig bekannte Kloo-Ascher-Tal, ein einsamer Steig zum Wildenkarsattel und die für die Voralpen ungewohnt alpine Gratüberschreitung der Krenspitz bis aufs Hintere Sonnwendoch. Eine eBike & Hike Tour vom Feinsten!

Blick von der Krenspitz Richtung Sonnwendjoch

Touren-Steckbrief

  • Schwierigkeit Bike : Gemütliche Radltour durch das Kloo-Ascher-Tal, Steil und grobschottrig bis zur Hintertoralm
  • Schwierigkeit Hike : Alpine Wanderung (T4+)
  • Höhenmeter (Aufstieg) : Ca. 1.430 hm (davon 380 Bike / 1.050 Hike)
  • Strecke (insgesamt) : Ca. 23 km (davon 13 km Bike / 10 km Hike)

Routenverlauf

Gasthof Zipflwirt Ursprungstal (840 m) – Hintertoralm (1.217 m) – Wildenkarsattel (1.627 m) – Krenspitz (1.972 m) – Hinteres Sonnwendjoch (1.986 m) – Wildenkaralm (1.440 m) – Wildenkarsattel – Retour über die identische Route

Anfahrt

Mit dem Auto: Von München über die A8 bis Ausfahrt Weyarn und weiter bis Bayrischzell. Von dort ins Ursprungstal abbiegen. Parken beim Gasthof zum Zipflwirt (Adresse: Tiroler Straße 80, 83735 Bayrichzell)
Mit der Bahn: Von München HBF mit der BRB RB55 bis Bayrischzell. Mit dem eBike die restlichen 5 km bis zum Zipflwirt absolvieren.

Einkehr

Auf der Tour keine Einkehrmöglichkeiten.

Auffahrt zur Hintertoralm

Für diese Tour fast ein bisschen spät starte ich gegen 15:30 Uhr am Parkplatz. Hinter dem Zipflwirt führt die Straße über offenes Wiesengelände und ein kurzes Stück durch den Wald. Dahinter eröffnet sich nun das weite und flache Kloo-Ascher-Tal. Über dieses geht es nun zügig und entspannt dahin. Hier würde man sogar mit dem Stadtradl gut klarkommen.

Der Straße könnte man nun immer weiter folgen und würde irgendwann in der Valepp rauskommen. Ich wende mich dagegen an einer Abzweigung nach Links (Beschilderung „Grundalm“) und folge der nun ein bisschen schottrigeren Straße weiter. Durch ein Gatter kommt man in schönes Almgelände und kann nun langsam links den Grat zwischen Krenspitz und Sonnwendjoch erkennen.

Ein weiteres Mal heißt es nun bei einer Beschilderung nach links Richtung Hintertoralm abzubiegen. Nach Durchquerung eines Bachs zieht ein nun steiler und grober Karrenweg in Serpentinen den Hang hinauf. Hier wird es ohne eBike schwierig. Kurz vor Erreichen der Hintertoralm wird es so steil und schottrig, dass ich das Bike schließlich in einer Kurve stehen lasse und die letzten Meter zu Fuß gehe, bis ich die schön gelegene Hintertoralm erreiche. Hierher scheinen sich nicht allzu viele Menschen zu verirren.

Zustieg zum Wildenkarsattel

Von der Hintertoralm folge ich nun der Beschilderung zum Wildenkarsattel. Es geht nun über markierte, aber sichtlich zugewachsene Steige, zunächst östlich den Hang querend, und später nach Süden auf den Sattel zu. „Wildromantisch“ könnte man diesen Abschnitt der Tour bezeichnen.

Über einige Wasserläufe gelangt man im Auf und Ab schließlich zur Flanke unterhalb des Sattels und steigt diese nun in sehr steilen und bröseligen Serpentinen auf (hier ist bereits etwas Vorsicht geboten).

Nach diesem anstrengenden Stück komme ich schließlich am sanften Wildenkarsattel raus, an dem sich nun erstmalig der Blick nach Süden Richtung Ackernalm sowie nach rechts auf den beginnenden Ostgrat der Krenspitz eröffnet.  

Überschreitung Krenspitz zum Hinteren Sonnwendjoch

Nun beginnt der spannendste Teil der Tour. Direkt am Wildenkarsattel beginnt der Einstieg zum Ostgrat der Krenspitz. Markierungen/Schilder gibt es keine, aber schon bald sind erste Steigspuren erkennbar.

Der erste Abschnitt ist der steilste. Hier gilt es, über mehrere Erhebungen den markanten Felsturm zu erklettern. In meist grasig-schrofigem Gelände werden die Höcker teils direkt, teils in der Südflanke überstiegen. Das Gelände ist steil und manchmal ein bisschen ausgesetzt, aber nie wirklich schwierig und bewegt sich im I. Grad. Über eine bröselige Querung passiere ich schließlich den Turm und gelange über das steile Gras auf den Grat.

Es folgt nun eine Zeit lang eine einfachere Gratwanderung, bis ich unter den P.1854 (ein nicht benannter Zwischengipfel) gelange. Hier nun aufpassen: Vermeintliche Steigspuren führen südseitig ins heikles, latschenbewachsenes Gelände. Der richtige Weg geht direkt am Grat zwischen den Latschen auf den „Gipfel“.

Nachdem ich diesen überschritten habe, steige ich nun in die Senke vor der Krenspitz ab. Hier kommt nun die zweite „Schlüsselstelle“ der Überschreitung. Diesmal nordseitig führen Steinmandl auf ein bröseliges Band, hinter dem man steil auf den Grat zurückkehrt. Aus der Ferne schaut es wild aus, in Wahrheit ist das Gelände gut zu gehen, sofern man konzentriert seine Tritte setzt.

Das Gröbste ist nun geschafft. Noch ein kurzer Aufstieg am Grat und ich stehe auf der Krenspitz. Ein toller Gipfel mit kleinem Holzkreuz mit Blick auf das mächtig wirkende Sonnwendjoch und den bereits zurückgelegten Grat. Hier würde ich gerne lange verweilen, aber die Uhr sagt etwas anderes.

Im letzten Gratabschnitt hinüber aufs Sonnwendjoch bewegt man sich dann nun wieder in „zivilisierterem“ Gebiet. Der kurze und unschwierige Abschnitt vom Sonnwendjoch zur Krenspitz wird des öfteren vom Sonnwendjoch hin und zurückgegangen. Nicht einmal 15 Minuten und das Hintere Sonnwendjoch, der höchste Punkt meiner heutigen Tour, ist erreicht. Nur aufgrund der späten Uhrzeit bin ich hier völlig alleine und genieße den abendlichen Rundumblick.

Abstieg über Wildenkaralm

Vom Gipfel steige ich nun zunächst auf dem markierten Weg Richtung Ackernalm ab, wende mich aber bei der ersten Beschilderung am Sattel nach links Richtung „Wildenkaralm“.

Der Steig verläuft nun südseitig in schönem Auf und Ab unterhalb des zuvor begangenen Grates bis zur Wildenkaralm. Von dieser muss nun nochmals der Gegenanstieg zurück zum Wildenkarsattel in Kauf genommen werden. Von diesem über die Auftsiegsroute zurück zur Hintertoralm und meinem Bike.

Gerade zum Einbruch der Dunkelheit schaffe ich es mit dem Radl zurück ins gemächliche Kloo-Ascher-Tal und radle die restliche Strecke mit Stirnlampe zurück zum Parkplatz.  

Fazit

Eine Schmankerl-Tour für Individualisten, die mehr den Eindruck einer alpinen Bergtour als einer Voralpenwanderung hinterlässt. Die hier vorgestellte Route dürfte in dieser Kombination nur sehr selten gewählt werden und bietet Einsamkeit in herausragender Landschaft, erfordert jedoch Orientierungssinn und sicheres Gehen in steilem Gras- und Schrofengelände!  

Karte

Video zur Tour

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