Gartner Wand (2.377 m) Nordgrat

Gratüberschreitung zwischen Bergeinsamkeit und Seilbahntourismus

Die Gegend rund um Ehrwald, Biberwier und Lermoos ist nicht gerade für ihre einsamen Berge bekannt. Neben den touristischen Hotspots der Zugspitze und dem Seebensee ist auch der gegenüberliegende Grubigstein ein vor allem für den Skitourismus genutzter Seilbahngipfel.

Umso überraschender ist es, dass sich dieser in eine größtenteils einsame und sehr lohnende Rundtour einbauen lässt. Diese führt über den östlichen Teil der Gartner Wand, die sich als östlichster Teil der Lechtaler Alpen von Lermoos im Osten bis Bichlbach/Berwang im Westen erstreckt.

Insgesamt ergibt sich eine tolle Gratüberschreitung, die durch den anspruchsvollen Nordgrat ein bisschen alpines Flair bekommt und sich perfekt mit einer eBike-Auffahrt zur Gartner Alm starten lässt!

Blick von der Gartnerwand über den weiteren Gratverlauf, im Hintergrund Zugspitze und Mieminger Kette

Touren-Steckbrief

  • Schwierigkeit Bike : Gut fahrbare Forststraße (konstante Steigung)
  • Schwierigkeit Hike : Moderate Bergtour (T4)
  • Höhenmeter (Aufstieg) : Ca. 1.400 hm (davon 350 Bike / 1.050 Hike)
  • Strecke (insgesamt) : Ca. 20 km (davon 11 km Bike / 9 km Hike)

Routenverlauf

Parkplatz Lermoos Untergarten (1.050 m) – Gartner Alm (1.399 m) – Sommerbergjöchle (2.001 m) – Gartner Wand (2.377 m) – Grubigstein (2.233 m) – Wolfratshauer Hütte (1.751 m) – Gartner Alm – Lermoos Untergarten

Anfahrt

Mit dem Auto: Von München über die A95 bis Garmisch, dort weiter über Ehrwald nach Lermoos. Dort am Wanderparkplatz der Gartner Alm parken (Adresse: 6631 Untergarten).
Mit der Bahn: Von München HBF mit dem RE62 über Garmisch nach Lermoos. Vom Bahnhof in ca. 2,5 km mit dem eBike zum Startpunkt. 

Einkehr

Wolfratshauser Hütte: Übernachtungsmöglichkeit, geöffnet von Anfang Juni bis Mitte Oktober
https://www.dav-wolfratshausen.de/huette/wolfratshauserhuette

Gartner Alm: Geöffnet von Mitte Mai bis Anfang Oktober
https://www.zugspitz-arena.com/a150/lermoos/gartneralmlermoos.html

Darüber hinaus wäre eine Einkehr/Übernachtung auch am Gipfelhaus Grubigstein möglich.

Auffahrt zur Gartner Alm

Vom Wanderparkplatz geht es zunächst auf der Straße zurück Richtung Ort, um bereits kurze Zeit später auf die Beschilderung Richtung Gartner Alm (Forststraße) zu treffen.

Dieser folge ich nun in moderater Steigung in Serpentinen über offenes Wiesengelände bergauf. Über der Zugspitze scheint mir die Morgensonne ins Gesicht, ein herrlicher Bergtag steht bevor. Die Straße taucht nun über eine längere Gerade in den Wald ein, wo die Steigung nochmals zunimmt, und macht schließlich eine Linkskurve.

Flach geht es nun in das Gartner Tal hinein. Die Gartner Wand ist bereits in der Ferne zu sehen, unterhalb der Straße verläuft der Steig vom Wanderparkplatz. Nach insgesamt nicht einmal 30 Minuten erreiche ich schließlich die Gartner Alm. 

Von der Gartner Alm zum Sommerbergjöchle

Von der Gartner Alm folge ich dem Forstweg noch ein kurzes Stück im Slalom durch die vielen hier weidenden Kühe und ihre Hinterlassenschaften, bevor dieser im Bereich einer Kurve endet.

Fast in einer geraden Linie verläuft nun der überraschend schwach ausgeprägte Steig mit ebenso schwachen Markierungen durch das feuchte Wiesengelände Richtung Westen. Dieser Weg scheint nicht unbedingt überrannt zu werden. Schon bald passiert man die Beschilderung nach links zur Wolfratshauser Hütte (von dort werde ich später herunterkommen).

Über 600 Höhenmeter geht es nun mit konstanter Steigung geradeaus. Viel Abwechslung bietet der Steig nicht, aber man hat einen hervorragenden Blick auf die beeindruckende Gartner Wand und den späteren Gratverlauf und auch das vermeintliche Highlight, der Nordgrat, kommt bald in Sicht.

Nach steilem Schlussanstieg erreiche ich schließlich das Sommerbergjöchle, von dem nun erstmalig nach Westen der Blick Richtung Roter Stein und hinunter nach Berwang frei wird.  Ein in die Jahre gekommener Schilderbaum weist nach rechts den Weg zur gutmütigen Bleispitze (kaum 30 Minuten entfernt) sowie nach links die Gartner Wand aus. Hier beginnt direkt der Einstieg zum Nordgrat

Über den Nordgrat auf die Gartner Wand

Ich wende mich nun nach links und folge zunächst ohne erkennbare Spur steil dem Grashang bergauf. Schon kurze Zeit später allerdings zeichnet sich ein ausgetretener Pfad ab.

Der erste Absatz ist in leichtem Gehgelände schnell absolviert und die erste Schlüsselstelle kommt in Sicht: Eine gut 20 Meter hohe Felswand baut sich nach einer Querung auf. Die Vorfreude auf eine schöne IIer-Kletterei wächst. Wie es jedoch die überschaubare Zahl an Tourenberichten zum Nordgrat bereits angedeutet hat, wurde hier eine klettersteigähnliche Versicherung in Form von Drahtseilen und Eisenklammern verbaut. Sehr schade, denn der Fels ist gut und die Route wird sicher nicht von Verlegenheitswanderern überrannt. 

Ich lasse mir den Spaß jedoch nicht verderben und suche mir eine eigene Route im Fels. Schnell ist die Steilstufe überwunden und es geht erst einmal wieder im Gehgelände weiter. Die Blicke auf den Grat sowie zur gegenüberliegenden Bleispitze werden immer besser. Schließlich geht es zu einer weiteren Steilstufe (zweite Schlüsselstelle), die – wenig überraschend – ebenfalls versichert wurde.

Der letzte Abschnitt des Nordgrats hält dann nur noch bröseliges Gehgelände bereit, bis man unvermittelt am Gipfel der Gartner Wand mit kleinem Kreuz herauskommt. Ein herrlicher Blick in die beginnenden Lechtaler Gipfel sowie zum Fernpass eröffnet sich. Es ist kein Mensch zu sehen. Hier gönne ich mir erst einmal eine ausgiebige Gipfelbrotzeit!

Von der Gartner Wand zum Grubigstein

Mit der Gratwanderung hinüber zum Grubigstein folgt nun nach dem Nordgrat das zweite Highlight der Tour.

Zunächst ein steiler und bröseliger Abstieg vom Hauptgipfel, bis die Grathöhe erreicht ist. Weiter nun in leichtem Auf und Ab an der Gratkante oder teils leicht südlich Richtung Osten. Die Blicke auf beiden Seiten sind fantastisch. Nach Norden die teils schwindelerregenden Tiefblicke ins Gartner Tal, im Süden kommt der türkisblaue Blindsee zum Vorschein.

So langsam nähere ich mich dem Grubigstein und bereits aus der Ferne ist zu erkennen, dass es dort mit der Einsamkeit vorbei sein wird. Ein paar Querungen (teils drahtseilgesichert) sind noch leicht ausgesetzt zu absolvieren, dann bin ich angekommen in der „Tiroler Zugspitz Arena“. In Scharen kommen mir nun Wanderer von der Bergstation entgegen, die am Grubigstein ein bisschen Gipfel-Feeling erleben möchten. Der Steig zieht nun direkt durch die Lawinenverbauungen hindurch bergab zur Bergstation der Grubigstein-Bahn. Auf diesem Abschnitt der Tour heißt es kurz „Augen zu und durch“.

Abstieg über die Wolfratshauser Hütte

Von der Bergstation am Grubigstein geht es noch ein Stück bergab, bis nach links ein Steig zur Wolfratshauser Hütte abzweigt, der laut Beschilderung „sehr schwierig“ ist. Das stimmt so nicht, aber man versteht angesichts der vielen Wanderer und Kinder die Intention. Auf Anhieb wird es hier auch gleich viel ruhiger.

Fast an der Wolfratshauser Hütte angekommen, zweigt nach links ein weiterer Steig ab, der zurück ins Gartner Tal führt. Hier kehrt man zurück in die Einsamkeit. Mit schönem Blick auf den Aufstiegsweg zum Sommerbergjöchle geht es in steilen Serpentinen durch den Wald, bis ich im Tal kurz oberhalb der Gartner Alm auf meinen Aufstiegsweg treffe.

Ich komme am Holzkreuz oberhalb der Alm vorbei, an dem ich mein Radl abgestellt hatte. Dieses war den Kühen wohl im Weg und liegt nun ein Stück entfernt im Dreck. An der Gartner Alm genehmige ich mir noch ein verdientes Weißbier und radle im Anschluss zufrieden zurück ins Tal!

Fazit

Die Runde über die Gartner Wand bietet sehr unterschiedliches Gelände und landschaftliche Eindrücke sowie den krassen Kontrast aus Einsamkeit und Massentourismus. Eine Genusstour für Trittsichere, die in dieser Gegend sicher noch als kleiner Geheimtipp zu sehen ist.

Karte

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